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10.02.2011, 19:00


Die Kaupthing Bank war die größte isländische Bank und die sechstgrößte in den nordischen Ländern. In ihrem Heimatland trat sie als Kaupþing Banki hf. auf (hf. = Hlutafélag = Aktiengesellschaft). Das Unternehmen verfügte über Vertretungen in Großbritannien, Schweden, Dänemark, Finnland, den Niederlanden, Luxemburg, der Schweiz, Deutschland, Österreich sowie in den USA und im Nahen Osten. Die Bank hatte ihren Stammsitz in Reykjavík und beschäftigte etwa 3200 Mitarbeiter. Die meisten der ausländischen Vertretungen gingen in die Insolvenz oder wurden geschlossen. Die Kaupthing Edge Deutschland stand vom 9. Oktober 2008 bis 22. Juni 2009 unter einem Moratorium. Am 19. November 2009 wurde die deutsche Niederlassung endgültig geschlossen und die Präsenz der Bank in Deutschland beendet.

Am 9. Oktober 2008 wurde Kaupthing unter staatliche Kontrolle gestellt. Am 31. Oktober stellte die isländische Finanzaufsicht FME die Zahlungsunfähigkeit der Kaupthing Bank fest und somit den Entschädigungsfall.

Am 21. November 2009 wurde aus dem Vermögen der Kaupþing Bank die New Kaupþing Bank mit den inländischen Kunden und Aktivitäten in Island ausgegliedert und später in Arion Bank umbenannt.

Die Kaupþing Bank wurde 1982 gegründet. Bereits vier Jahre später war sie eines der Gründungsunternehmen der Isländischen Börse (Iceland Stock Exchange). 2003 wurde die Bank mit der 1930 gegründeten Búnaðarbanki Íslands fusioniert und ging an die Börse. Die Kaupthing Bank war an der Isländischen- und der Stockholmer Börse gelistet. Am 9. Oktober 2008 wurde die Bank auf der Grundlage des wenige Tage zuvor erlassenen Notstandsgesetzes unter staatliche Kontrolle gestellt.

Am 9. Oktober stellte die Kaupthing Bank alle Auszahlungen an ihre Kunden sowie die Liquiditätsversorgung für ihre Niederlassungen im Ausland ein. Ebenfalls am 9. Oktober 2008 kündigte die isländische Finanzaufsicht (FME) an, dass die Geschäfte der Bank, der Kaupthing, von einem Verwalterkomitee, dem „Resolution Committee“, weitergeführt werden. Hauptaufgabe dieses Gremiums war, die Vermögenswerte der Bank im Sinne der Gläubiger bestmöglich zu verwerten. Das Verwalterkomitee berichtete über seine Zwischenergebnisse in regelmäßigen Abständen vor einem Gläubiger-Komitee, dem „ICC“.

Am 22. Oktober 2008 wurde die New Kaupthing zur Aufrechterhaltung des isländischen Zahlungsverkehrs gegründet. Alle ausländischen Aktivitäten der Bank wurden in der Old-Kaupthing – einer Art Bad-Bank – zusammengefasst.

Am 24. November 2008 gewährte das Bezirksgericht in Reykjavik der Bank ein Gläubigerschutz-Moratorium, das bis zum 13. November 2009 verlängert wurde. Olafur Gardarsson, Bevollmächtigter des Obersten Gerichtshofes, überwacht die Einhaltung des Moratoriums und arbeitet mit dem Verwalterkomitee der Bank zusammen.

Am 5. Februar stellte das Verwalterkomitee der Bank den Gläubigern den ersten umfassenden Bericht über die Finanzlage der Bank vor. In dieser Zwischenbilanz standen einem Vermögen von etwa 1.200 Milliarden ISK Schulden in Höhe von 2.400 Milliarden ISK gegenüber. Weitere Zwischenberichte veröffentlicht Kaupthing hf. in monatlichen Abständen auf der Homepage.

Am 25. Mai 2009 kündigte das Verwalterkomitee der Kaupthing erstmalig ein baldiges Liquidationsverfahren an.

Laut den Berichten des Rundfunksenders RUV in Reykjavik soll Hreidar Már Sigurdsson, der ehemalige Chef der früheren Kaupthing-Bank, am 7. Mai 2010 einem Haftrichter vorgeführt werden. Vorgeworfen werden ihm Unterschlagung und Verstöße gegen das Aktiengesetz. Magnus Gudmundsson, der vormalige Leiter der Luxemburger Kaupthing-Niederlassung, wurde ebenfalls verhaftet.

Deutschland
Die isländische Muttergesellschaft Kaupthing Bank hf. war seit März 2008 mit einer Niederlassung in Frankfurt am Main vertreten. Bis Anfang Oktober hatte die Bank 50.000 deutsche Kunden mit Einlagen von 500 Millionen Euro nach Angaben von FTD.

Seit 8. Oktober 2008, 16:40:10 Uhr konnte kein Kunde mehr über sein Geld verfügen, da die DZ-Bank das Guthaben in Höhe von 55 Mio. Euro auf dem Clearingkonto der Kaupthing Edge Deutschland an diesem Tag, aufgrund ihres eigenen risikoreichen Engagements in Island, gepfändet hatte. Am 9. Oktober 2008 übernahm die isländische Finanzaufsichtsbehörde FME (Fjármálaeftirlitið) auf Bitten der Bank anstelle der Aktionäre die Kontrolle der Bank. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) verhängte am selben Tag ein Moratorium, ein Zahlungs- und Veräußerungsverbot über die deutsche Niederlassung der Kaupthing Bank, um einen überstürzten, ungeordneten Abzug der Einlagen zu verhindern. Nach BaFin-Angaben waren Guthaben von 30.800 Deutschen in einer Gesamthöhe von 308 Mio. Euro betroffen. Diese Zahlen wurden später nach oben korrigiert. Demnach waren etwa 34000 Kunden betroffen. Am 31. Oktober stellte der isländische Einlagensicherungsfonds die Zahlungsunfähigkeit der Kaupthing Bank rückwirkend zum 9. Oktober 2008 fest. Damit besteht für deutsche Kunden der Bank ein Entschädigungsanspruch, der nach isländischen Vorschriften auf eine Höhe von 20.887 € begrenzt ist. Die Staatsgarantie der deutschen Regierung, die Bundeskanzlerin Angela Merkel am 5. Oktober 2008 vorstellte, griff nach Auffassung des Bundesfinanzministeriums nicht. Nach Auskunft der BaFin haftet für das Geld auch keine deutsche Einlagensicherung. Am 22. November 2008 verkündete Finanzminister Peer Steinbrück, dass allen deutschen Kunden der Kaupthing Bank ihre Einlagen erstattet werden. Zusammen mit Großbritannien und den Niederlanden, deren Forderungen teilweise aber von Island bestritten werden, bot die Bundesregierung der isländischen Einlagensicherung einen zweckgebundenen Kredit in Höhe der deutschen Einlagen an, dieses Angebot wurde allerdings nicht angenommen.

Der isländische Präsident Ólafur Ragnar Grímsson erklärte nach den Unruhen wegen der Staatspleite in einem Interview gegenüber der Financial Times Deutschland am 10. Februar 2009, es sei den isländischen Steuerzahlern nicht zu vermitteln, dass sie jetzt auch noch für die Verluste deutscher Sparer aufkommen müssten. Ausländische Anleger könnten nicht erwarten, dass Island die ganze Last der Finanzkrise trage. Am 17. April 2009 äußerte die isländische Premierministerin Jóhanna Sigurðardóttir, die Kaupthing Bank besitze genügend Vermögen, um den deutschen Sparern ihre Gelder auszuzahlen. Dieses wurde auch am gleichen Tag auf der Website der Kaupthing Edge Bank veröffentlicht. Während das Verwalterkomitee der isländischen Kaupthing bereits in seinem 1. Bericht vom 10. Februar veröffentlichte, dass Kaupthing selbst über 80 % der nötigen Mittel zur Einlagenrückzahlung verfüge und auch selbst zurückzahlen wolle, wurden im April 2009 100 % der nötigen Summe bereitgestellt.

Die Bank begann am 22. Mai 2009 mit dem Verfahren zur Rückzahlung durch den Versand von Formbriefen, in denen die Bestätigung der Kundendaten sowie eine Ermächtigung zur Auszahlung angefordert wurden. Die Rückzahlung der Guthaben startete am 22. Juni 2009. Bezüglich der Zinsen teilte die Bank mit: „Anleger, die Ihre Zinsansprüche gegenüber der Kaupthing Bank geltend machen möchten, werden in der Lage sein dies zu tun, sobald das förmliche Verfahren zu dieser Sachlage eingeleitet wird.“ Am 10. Juli 2009 hat die Kaupthing Bank bereits die meisten Einlagen an die rund 34.000 Sparer zurückgezahlt. Zinsen wurden vorerst keine ausgezahlt, wenn sie vor dem 8. Oktober 2008 noch nicht gutgeschrieben waren. Am 23. Juli 2009 meldete das Bundesfinanzministerium, dass die technische Abwicklung die Rückzahlung verzögerte.

Durch die Pfändung der DZ Bank wurde die Rückzahlung erheblich verzögert, denn die Kaupthing Edge Deutschland musste sich eine neue Abwicklungsstelle suchen. Zudem bestand nach Informationen des Bundesfinanzministeriums die Gefahr, dass weitere Zahlungen der Kaupthing Bank in Richtung Deutschland ebenfalls gepfändet worden wären. Für die Ausführung der Rückzahlungsüberweisungen wurde nach etwa 6 Monaten die deutsche Bundesbank beauftragt. Das Geld floss somit von der isländischen Zentralbank über die Bundesbank zu den Sparern. Die Rückzahlung fand in verschiedenen Auszahlungsrunden statt. Auszahlungstermine waren: 25. Juni 2009 mit ca. 20.000 Zahlungen, 2. Juli 2009 ca. 10.000, 9. Juli 2009 ca. 200, 15. Juli 2009 ca. 50-100 und 22. Juli 2009 mit ca. 500-1000 Zahlungen. Die Zahlen wurden anhand von Medienberichten und Internet-Umfragen unter Geschädigten geschätzt.[36] Es wurde durch den Geschäftsführer der deutschen Kaupthing-Niederlassung bekannt gegeben, dass alle Kunden, die bis zum 2. Juli 2009 keine Zahlung erhalten haben, Problemfälle seien. Unklar war jedoch, warum Kunden, die Mehrfachkonten bei Kaupthing hatten und ein Konto bereits ausgezahlt bekamen bzw. deren Daten sich nicht geändert haben, keine Rückzahlung vor dem 22. Juli 2009 erhielten.
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10.02.2011, 19:00


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